Haben Sie sich in letzter Zeit mal lächerlich gemacht? So, dass man Sie mit großen Augen angestarrt hat? Oder hat man wenigstens peinlich berührt weg geschaut? Passiert Ihnen das öfter? Und es ist Ihnen noch nicht mal unangenehm? Gratulation, dann gehören Sie wahrscheinlich zu den Leuten, die nicht normal sind.

Die moderne Erziehung, oder was dafür gehalten wird, hat Sie noch nicht „normal“ gemacht – Ihre Persönlichkeit ist nicht genormt. Als Papa kennt man ja solche Szenen. Als meine Tochter noch klein war, füllte sie den Laderaum ihres Spielzeugautos bis zum Rand mit  Joghurtbechern. Die anderen Kunden fanden das süß – aber das sollte sich gleich ändern. Ich erklärte ihr, dass wir so viel Joghurt nicht brauchen, und begann, die überflüssigen Becher zurück in die Kühltheke zu räumen. Trotziges Gebrüll verwandelte die entzückten Blicke in stummen Tadel. Dies ist wieder mal so eine Situation, in der man entweder so handelt, wie Leute es erwarten, oder wie man es für richtig hält.

Wahrscheinlich sollte ich in den Augen der Zuschauer meine Tochter mit Zuckerzeug und Tadel konditionieren, damit ich die öffentliche Ruhe nicht störe. Darum mache ich mir nicht so schrecklich viel Sorgen, wenn ich Individuen dieser Spezies aus ihrem wunderbaren Dauerschlaf reiße. Meine Kleine hat mittlerweile dabei geholfen Joghurtbecher zurück zu stellen und dabei ist ein Becher hingefallen.  Er  hat eine weisse Pfütze auf dem Boden hinterlassen.  Ich bitte eine junge Frau vom Supermarkt um Küchenpapier zum Aufwischen, bekomme aber statt dessen die kühle Information, dass sie das schon erledigt. Na, bitte schön.

Normal sein oder voll im Leben

Unser Leben, das echte Leben ist voller Bewegung. Es beinhaltet so viele Aktivitäten und ein Gewusel aus Emotionen und Reaktionen.

Teil dieser Aktivitäten sind natürlich unsere Kinder in ihrer Natürlichkeit und Spontanität. Das fordert uns auch schon öfter einmal heraus. Das halten nur echte Persönlichkeiten aus. Wir möchten, dass sie selbstständig und fähig werden. Wollen wir dieses echte Leben der Normalität opfern? Weil sich diese Leute daran stören könnten, wenn sie mit etwas konfrontiert werden, das nicht der sogenannten Norm entspricht?

Meine Tochter soll auch lernen, Rücksicht zu nehmen, ganz klar. Aber wenn die Persönlichkeit durch die Anpassung an die Normen verdeckt wird, geht das einfach zu weit. Das echte Leben ist nicht immer nett und süß und bunt wie die Bonbonwerbung. Das echte Leben ist anders. Es ist laut, schlaflos, dreckig und nervig und gleichzeitig wunderbar aufregend.

Manfred Lütz beschreibt die verrückte Normalität unserer Gesellschaft unterhaltsam und gleichzeitig kritisch in seinem Buch. „Irre! Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen.“

„Es gibt diese öden blassen Gestalten, an die man sich nicht erinnern kann, obwohl sie einem stundenlang gegenüber gesessen haben. Diese grauen Mäuse unserer Normalgesellschaft, deren Motto ist: Bloß nicht auffallen! In der Schule waren sie gut bis mittelmäßig, etwas streberartig, aber nur so sehr, dass die Klassenkameraden sich nicht herausgefordert fühlten. Seine Kleidung wählen sie stets so, wie es sich für den gepflegten Herrn gehört. Mann ist dann gut angezogen, wenn sich später keiner mehr erinnern kann, was er anhatte. Auch seine Meinungen liegen stets im Trend. Ein bisschen kritisch, aber nicht zu viel.“

Die perfekt genormte Persönlichkeit wird sich eher Frühchinesisch für Säuglinge als eine eigene Meinung leisten. Denn Unauffälligkeit ist wohl die höchste Tugend des Normalos. Und so unscheinbar sind auch ihre Kinder. Sie sind nett und immer hübsch angezogen. Sie haben gelernt, sich so zu verhalten, dass es niemanden stört. Sie streiten sich nie. Machen sich nicht dreckig. Klettern nicht auf Bäume. Sie sehen fern oder machen Computerspiele. Mit anderen Worten – sie sind schon so normal, dass es fast weh tut.

Wie möchten wir wirklich sein? Wie viel Normalität ist normal? Und was gehört zu einer echten Persönlichkeit? Gute Fragen, vor allem, wenn man sie sich selbst stellt. Wenn Sie diesen Artikel bis hierhin gelesen haben, haben Sie sich wahrscheinlich schon einmal Gedanken darüber gemacht. Und wenn er Sie ein wenig amüsiert hat, dann haben Sie sich trotz allem Ihren Humor bewahrt. Und ein Lachen ist immer ein gutes Zeichen. Es zeigt, dass Leben in Ihnen steckt.

Das Thema Persönlichkeitsentwicklung begleitet mich schon seit meinem 18. Lebensjahr. Ich wollte unbedingt mehr über darüber zu erfahren, was den Menschen antreibt und was ihn davon abhält, glücklich und erfolgreich zu sein. Darum habe ich mich auf die Suche begeben und viele wissenschaftliche und esoterische Methoden untersucht. Vieles war logisch und sinnvoll, aber es gab keine praktische Ableitung zur Umsetzung. Andere Methoden bestanden in praktischen Übungen, sie hatten aber keine solide theoretische Basis. Durch einen Zufall wurde ich endlich fündig. Ich entdeckte ich eine Gruppe in Frankfurt-Sachsenhausen, die in einer Mietwohnung Kurs zur Persönlichkeitsentwicklung gab. Das Angebot war vielfältig und spannend. Ich entschied mich für einen Kommunikationskurs und das war für mich der Durchbruch. Weitere Kurse folgten und bald wurde ich selbst zum Trainer ausgebildet. Nun arbeite ich schon seit 1994 aktiv als Trainer für Kommunikation und Life Coach.