Was ist üblicherweise das größte Hindernis, das Menschen im Wege steht, sich glücklicher zu fühlen und mehr aus ihrem Leben zu machen? Es gibt viele, viele offensichtliche Hindernisse, wie eine schlechte Gesundheit, schwierige Familienverhältnisse oder Geldprobleme usw.

Man kann jedoch beobachten, dass verschiedene Leute ganz unterschiedlich auf Umstände reagieren, die weitgehend als ähnlich eingestuft werden können.

Zum Beispiel erleiden zwei Personen einen ähnlichen Verlust bei der Zerstörung ihres Hauses durch Feuer. Der eine mag relativ zuversichtlich reagieren und nach ein paar Tagen der Not beginnt er vielleicht Pläne zu schmieden, um das Haus wieder aufzubauen und sein Hab und Gut zu ersetzen.

Was sind die Ursachen für Stress?

Der andere dagegen verfällt in einen Zustand von Apathie und hat auch nach mehreren Monaten den Verlust noch nicht verarbeitet und auch noch nichts unternommen, um ein neues Heim zu erstellen. Der Unterschied liegt an der Menge an Stress, der für eine Person aufgrund dieses Erlebnisses entsteht. Stress neigt dazu, sich im Leben einer Person anzuhäufen. Wenn eine Person bereits eine Menge Stress angesammelt hat, müssen wir sie als eine „gestresste“ Person einstufen. Unangenehme Erlebnisse werden sie voraussichtlich härter treffen und die Menge an angehäuftem Stress verstärken, unter dem sie leidet.

Wenn es sich um ein einmaliges Erlebnis handelt, mag die Person mit der Zeit anscheinend darüber hinwegkommen, trotzdem bleibt etwas von dem Stress zurück.

Das Wichtigste an Stress ist, dass er sich selten von alleine verringert. Ferien mögen die „Rückstände“ von Stress reduzieren und jemand mag eine gewisse Erleichterung verspüren. Jedoch innerhalb weniger Tage in der gewohnten Umgebung kommt der Stress gewöhnlich wieder zum Vorschein.

Die Anhäufung von Stress ist wahrscheinlich der üblichste Grund, warum sich Menschen unglücklich fühlen und nicht das aus ihrem Leben machen können, was sie möchten.

Und genau da ist der Punkt, wo Prozessing (oder Stressberatung) ansetzt. Stressberatung hat zum Ziel, einer Person dabei zu helfen, selber einige der Ursachen für den Stress in ihrem Leben herauszufinden und zu verarbeiten.

Kurz gesagt besteht das Verfahren darin, dass sich der „Stress-Patient“ mit einem ausgebildeten „Berater“ zusammensetzt und unter der Leitung des Beraters einmal genau die Bereiche seines bisherigen Lebens anschaut, die den Stress, der sich bis zum heutigen Tag aufgestaut hat, verursacht haben. Das Ziel dieser „Sitzungen“ ist es, dass die Person jene Bereiche verarbeitet und bewältigt und sie somit als Ursache von Stress ausschaltet.

Prozessing wurde aus einer langen Tradition der Beratung heraus entwickelt, wie sie als Therapieform seit „ewigen Zeiten“ in der Gesellschaft existiert.

In den Vereinigten Staaten ist es bei reicheren Leuten üblich, regelmäßig den „Analytiker“ aufzusuchen oder andere Beratungsstellen, um etwas Erleichterung vom Stress zu erfahren und Hilfe für ihre „psychologischen“ Probleme zu erhalten.

Fast alle diese Beratungsmöglichkeiten zeigen, dass sich Leute „einfach durchs Reden“ über ihre Situation besser fühlen, wobei ihnen jemand zuhört und sie nicht beurteilt. In vielen Fällen sucht der Patient oder Preclear nicht Führung oder Rat, er will einfach darüber reden können. Das stimmt mit dem alten Sprichwort überein: „Geteiltes Leid ist halbes Leid“, oder dass es gut ist, „es sich vom Herzen zu reden“.

Nicht alle Beratungsdienste erheben den Anspruch, eine lang anhaltende Verbesserung zu erreichen, aber der Wert eines Zuhörers am Telefon, der einer verzweifelten Person über die kurzen Stunden des Morgens hinweghilft und damit verhindert, dass sie eine Überdosis Schlaftabletten schluckt, ist offensichtlich.

Einige Beratungsmethoden können jedoch einen lang anhaltenden Nutzen versprechen, indem sie den „Stress-Patienten“ befähigen, wünschenswerte Veränderungen in seinem Leben hervorzurufen. Die Methode von Prozessing (Stressberatung), wie sie hier beschrieben wird, zielt darauf ab, und sie kann sich darauf berufen, vielen Tausenden von Menschen wirkliche Verbesserung in ihrem Wohlbefinden sowie Glück und Erfolg gebracht zu haben.

Einführung ins Prozessing

Bei der Methode von Stressberatung, mit der wir uns hier beschäftigen, ist es dem Trainer strikt verboten, Meinungen oder Ratschläge von sich zu geben. Das Schwergewicht liegt darauf, dass die Person, die „beraten“ wird, dazu gebracht wird, sich Dinge aus ihrer Vergangenheit (oder ihrem gegenwärtigen Leben) anzuschauen und darüber zu sprechen. Der Trainer muss ein sehr guter Zuhörer sein.

Ob, Berater, Therapeut oder Freund – zuhören muss er können

Wer kann vom Prozessing profitieren?

Es wäre zu oberflächlich und einfach zu sagen, dass jeder davon profitieren würde. Obwohl es wahr ist, dass die meisten Menschen davon profitieren würden, gibt es hier drei Kategorien von Personen, die besonders von Prozessing profitieren:

Als erstes gibt es jene, die sich selbst von einer Stress-Situation befreien wollen.

Anfänglich zeigt sich Stress gewöhnlich in der Form von Unruhe und Besorgnis. Später manifestiert er sich üblicherweise in Emotionen wie Ärger, Angst und Trauer. Anschließend führt er zu einer Vielfalt von stressbedingten Leiden (psychosomatischen Krankheiten).

Die Gründe für die Besorgnis und Ängstlichkeit im Leben einer Person können manchmal klar ersichtlich in ihrer persönlichen Situation liegen, wie etwa den Eltern oder einem Verwandten, der krank ist. Man kann jedoch beobachten, dass eine Person, die dazu neigt, sich Sorgen zu machen, eine Menge Dinge fin­den wird, über die sie sich Sorgen machen kann. Eine Person kann eine momentane Situation in ihrem Leben für all ihre Ängstlichkeit oder Sorge verantwortlich machen. Obwohl sie das wirklich glaubt, mag diese Sache nicht der eigentliche Grund für ihre Ängstlichkeit sein. Prozessing befähigt eine Person, verschiedene Dinge in Augenschein zu nehmen, die den Stress verursachen können. Prozessing über eine gewisse Zeitspanne hinweg wird eine Reihe von Gründen aufdecken und klären, die dazu beitrugen, dass die Person unter Stress stand. Jeden dieser Faktoren mit Hilfe eines dazu geeigneten Prozessingverfahrens zu durchleuchten, wird ihre Wirkung beträchtlich reduzieren oder völlig aufheben.

Die zweite Kategorie von Leuten, die von Prozessing profitieren können sind diejenigen, welche spüren, dass sie mehr in ihrem Leben erreichen könnten als das, was sie wirklich zustande bringen.

Für diese Leute spielt Prozessing nicht die Rolle einer guten Fee, die ihre Wünsche erfüllt. Prozessing hilft ihnen, herauszufinden, welche inneren Barrieren da sind und wie man sie überwinden kann. Prozessing kann somit der Person helfen, die Fähigkeiten wiederzugewinnen, die sie braucht, um diese Barrieren aus dem Weg zu schaffen und ihre Träume zu verwirklichen.

Die Zeit hinterlässt ihre Spuren

Zu der dritten Kategorie zählen die Personen, die sehen können, dass ihnen im Lauf der Jahre mehr an Lebenskraft verloren geht, als sie für angemessen halten.

Als Kinder haben wir ungeheuer viel Energie, Mut und Drang, jeden Tag voll auszuleben. Außerdem können wir uns daran erinnern, dass all unsere Sinne besser arbeiteten, als sie es heute tun. Gerüche waren schärfer, Farben leuchtender und unsere Reaktionen viel, viel stärker. Man findet sich allgemein damit ab, dass diese Fähigkeit, sich an den einfachen Dingen des Lebens zu erfreuen und sie zu gemessen, mit dem Erwachsensein verloren geht.

Auch wenn es stimmen mag, dass der Körper mit dem Alter weniger gut wahrnimmt und funktioniert, so variiert doch die Abnahme der Fähigkeit, das Leben zu erfahren und zu gemessen, sehr stark von Person zu Person. Dieser Unterschied steht häufig ganz offensichtlich im Verhältnis dazu, wie häufig diese Person vom Leben „herumgestoßen“ worden ist. Und dies würde mit der Anhäufung Stress verursachender Erfahrungen übereinstimmen. Die Person, die gerne die Uhr langsamer oder sogar ein wenig zurückdrehen möchte, kann erheblich vom Prozessing profitieren.

 Wie verläuft eine Prozessingsitzung?

Es wird Zeit, das, was im Prozessing passiert, genauer unter die Lupe zu nehmen. Die zwei wichtigsten Bestandteile im Prozessing sind natürlich der Trainer und der Klient.

Sie sitzen alleine in einem Raum und sprechen zusammen während einer vorher nicht genau festgelegten Zeitdauer. Das nennt man eine Prozessing-Sitzung. Der Klient spricht über sich selbst, gewöhnlich als Antwort auf die präzisen Fragen, die der Trainer ihm stellt. Wie lange die Prozessing-Sitzung dauert, entscheidet der Trainer, der den Klienten bis zu einem Punkt bringt, an dem er den Eindruck hat, dass er glücklich und in einer guten Verfassung ist.

Welche Rolle spielt der Trainer?

Er gibt einer Person keinen Rat oder Hinweis auf eine sich möglicherweise anbietende Lösung. Auch hat er nicht die Rolle eines Beichtvaters inne. Seine Aufgabe besteht darin, die Person zu ermutigen, in sich selbst hineinzuschauen, um Antworten auf Fragen zu finden, die ihr in Bezug auf die Probleme in ihrem Leben gestellt werden. Der Trainer hat eine Reihe von festgelegten Verfahren, denen er je nach Art der Schwierigkeit, auf die der Preclear Aufmerksamkeit hat, folgt. Die Fragen helfen dem Klienten, seine Aufmerksamkeit auf den Problembereich zu konzentrieren und dort zu behalten, bis sich dieser aufgelöst hat. Der Trainer ist dazu ausgebildet, den Klienten während der Prozessing-Sitzung so wenig wie nur möglich abzulenken, so dass er seine Aufmerksamkeit bei einer Sache halten kann. Man kann sagen, dass der Trainer dem Preclear einen Spiegel vorhält, in dem dieser sich selbst sehen kann.

Der Trainer erfüllt noch eine andere Funktion. Durch seine ruhige Gegenwart gibt er dem Klienten das Vertrauen und die Zuversicht, Erinnerungen anschauen zu können, die er als unangenehm oder gar beängstigend empfinden mag. Die Ausbildung des Trainers ist die beste Rückversicherung, dass dem Klienten nichts Nachteiliges passieren kann und dass er nicht übermäßig verstimmt werden wird, wenn er unangenehme Erinnerungen anschaut.

Wie werden die Trainer ausgebildet?

 Es gibt heute auf der ganzen Welt Trainer, die diese Art von Stressberatung anbieten. Sie haben eine intensive Ausbildung erhal­ten und ein intensives Praktikum hinter sich gebracht, oft Jahre hinweg. Die Ausbildung, um ein erfolgreicher Trainer zu werden, verlangt sehr viel, und Leute, die sie gemacht haben, besit­zen ein sehr hohes Verantwortungsbewusstsein.

Trainer müssen sich zudem an eine Reihe von Regeln halten, die in einem Kodex festgelegt sind. Einem Trainer ist es zum Beispiel nicht erlaubt, irgendetwas, was ihm im Prozessing gesagt worden ist, zu bewerten oder zu kommentieren.

Gewinne durch Prozessing

Wir haben bereits erwähnt, dass sich eine Person, die sich für Prozessing entscheidet, auf einen Selbsthilfe-Prozess einlässt. Das bedeutet, dass ihr Prozessing hilft, sich selbst zu helfen. Es kann nicht genügend stark betont werden, dass mit der Person nichts „gemacht“ wird. Wenn Sie zu einem Zahnarzt gehen, dann bringt dieser Ihre Zähne in Ordnung, während Sie stillsitzen. Wenn Sie einen Arzt konsultieren, dann mag Ihnen dieser ein paar Fragen stellen, aber dann wird er Sie „behandeln“. Und wenn Sie sich einer Operation unterziehen, wird der Chirurg sicherlich etwas für Sie tun. Sogar wenn Sie zu einem „Heiler“ gehen, ist es seine oder ihre „Kraft“, von der Sie sich Heilung versprechen.

Der Klient mag Prozessing beginnen, weil er mit einem bestimmten Problem fertig werden möchte. Der Trainer hilft ihm, den Problembereich in einer systematischen und methodischen Weise anzu­schauen. Der Klient wird Aspekte davon in seinem Verstand entdecken, auf die er selber nicht gekommen wäre, und wird so das Problem und dessen Ursachen in einem anderen Licht sehen.

Beim Prozessing mag es von außen betrachtet so aussehen, als ob zwei Leute einfach miteinander reden würden. Das stimmt und stimmt auch nicht. Die zwei betroffenen Personen sprechen tatsächlich miteinander, und die eine Person erzählt der anderen einiges über sich selbst. Dasselbe passiert auch in einem vertrauten Gespräch mit einem Freund oder einem engen Verwandten.

Beim Prozessing hat das Gespräch jedoch einen gezielten Aufbau und wird geführt und gelenkt durch die Fragen, die der Trainer stellt. Der Trainer beschränkt sich darauf, die Antwort des Klient anzunehmen, und den Preclear wissen zu lassen, dass er gehört worden ist.

Manchmal fragen die Leute: „Warum kann ich nicht Prozessing selbst bei mir verwenden? Weshalb brauche ich einen Trainer?“ Die Antwort darauf ist, dass eine Person alleine kaum in der Lage ist, ihre Aufmerksamkeit über längere Zeit hinweg auf eine schwierige, persönliche Frage zu konzentrieren. Deshalb ist es die Hauptaufgabe des Trainers, die Aufmerksamkeit und das Interesse des Klienten bezüglich des angegangenen Themas aufrechtzuerhalten und es zu einem gewinnbrin­genden Abschluss zu bringen. Aus diesem Grunde ist es nicht praktisch anwendbar, einen Prozess für eine festgelegte Zeitspanne zu laufen, wie etwa eine oder zwei Stunden. Eine Prozessing-Sitzung kann eventuell nur 15 Minuten dauern, oder sich über mehrere Stunden erstrecken, entsprechend der Zeit, die eine bestimmte Sache in Anspruch nimmt.

Was genau passiert nun in einer Prozessing-Sitzung?

Prozessing wird unter Voraussetzungen durchgeführt, die für die Konzentration des Klienten so hilfreich sind wie möglich. Dabei handelt es sich meist um einen kleinen, ruhigen Raum, bei dem Störungen und Ablenkungen nach Möglichkeit ausgeschlossen sind. Wenn dieser Raum in einem Gebäude mit anderen Menschen liegt, wird gewöhnlich ein Schild mit der Aufschrift „BITTE NICHT STÖREN“ an der Türe angebracht.

Auf dem Tisch steht gewöhnlich eine Holzblende, ungefähr 30 cm hoch. Hinter der Blende hat der Trainer ein kleines Gerät aufgestellt, das als „E Meter“ oder auch Theta Meter“ bezeichnet wird.

 Dieses Messgerät dient dem Trainer dazu, herauszufinden, welche Punkte und Themen von echter Bedeutung für den Preclear sind. Dies ist an diesem Meter klar ersichtlich. (Wie und warum das so ist, wird Ihnen Ihr Trainer gerne erklären und demonstrieren.) Wie wir später noch sehen werden, sind es nicht immer diejenigen Dinge, von denen der Preclear von vornherein annimmt, dass sie für ihn wichtig sind, die den größten unbewussten Stressfaktor darstellen.

Der Klient steht in Verbindung mit dem Meter, indem er zwei kurze Röhren, „Dosen“ genannt, die mit einem dünnen Kabel mit dem Meter verbunden sind. (In früheren Zeiten wurden  ganz einfache Blechdosen verwendet, wie sie auch im Lebensmittelhandel für Konserven benutzt werden). Der Klient hält in jeder Hand eine Dose, wodurch ein kleiner elektrischer Strom durch seinen Körper und zurück zum Meter geht. Der Strom ist sehr schwach – vergleichbar etwa mit dem, was eine Digital-Armbanduhr zum Funktionieren braucht. (Diese winzige Batteriezelle der Uhr können Sie in die Hand nehmen und zwischen den Fingern halten – ohne das Geringste zu spüren). Der Klient kann also nichts fühlen – und diese im natürlichen Bereich liegende Mess-Spannung hat auch sonst keine Wirkung auf ihn.

Vorbereitung des Prozessings

Vor dem ersten Prozessing wird der Trainer mit dem Preclear ein Interview machen, um Informationen über ihn und die Bereiche seines Lebens, die er verändert oder verbessert haben möchte, herausfinden. Dies geschieht am Meter. Nach dem Interview wird ein Prozessingprogramm aufgestellt, das die persönlichen Bedürfnisse des Klienten berücksichtigt. Dieses Programm kann aus mehreren Prozessen bestehen.

Das Programm ist aus sogenannten „Prozessen“ zusam­mengestellt. Ein Prozess ist z.B. eine Liste von Fragen, die der Trainer stellt und die der Klient beantwortet. Er kann soviel Zeit mit dem Beantworten oder Überlegen der Fragen in Anspruch nehmen wie er will. Der Trainer wird den Klienten nicht unterbrechen oder drängen. Er kann sagen was er will, und der Trainer wird nicht mehr tun als ihm zu bestätigen, dass er die Antwort gehört und verstanden hat. Nur durch das ruhige, neutrale Verhalten des Trainers gegenüber den Antworten des Klient gewinnt der Preclear das Vertrauen und die Zuversicht, die ihm erlauben, die Fragen mit völliger Offenheit und Ehrlichkeit zu beantworten.

Der Prozess wird normalerweise aus einer oder mehreren Fragen oder Instruktionen bestehen, die gefragt oder gegeben wer­den. Das wird solange gemacht, bis sich etwas tut in Bezug auf die Art und Weise, wie der Klient die Sache sieht, die gerade behandelt wird. Im Allgemeinen wird der Preclear etwas erkennen, wie oder warum diese Erfahrung ihn beeinflussen konnte, oder er findet heraus, dass sie ihn nicht mehr belastet. An diesem Punkt wird dieser bestimmte Prozessingprozess beendet. Es kann ein paar Minuten oder auch mehrere Stunden dauern, bis ein Prozessingprozess zu Ende ist

Wenn der Prozess zu Ende gebracht ist, wird sich der Klient gewöhnlich sehr gut fühlen, und das ist der richtige Punkt, um die Sitzung zu beenden oder wenigstens eine kleine Pause einzulegen. Andererseits gibt es auch den Fall, dass man einen Zeitpunkt für diesen Tag vereinbart hat, und der Prozess noch nicht abgeschlossen zu sein scheint. Wenn das eintrifft, lässt der Trainer den Klient wissen, dass er die Sitzung bald beenden wird. Der Trainer hat eine Routine, mit der er die Sitzung beendet, und dazu gehört auch, dass der Preclear zu einem guten Punkt gebracht wird, damit er aufgeweckt und munter ins normale Leben zurückkehren kann.

Es wurde schon früher in diesem Kapitel auf das Meter hingewiesen, das im Prozessing benutzt wird. Manchmal muss man den Personen, die neu im Prozessing sind, versichern, dass sie keine Angst zu haben brauchen, dass Ihre Gedanken auf irgendeine Weise manipuliert würden. Diese Reaktion ist zwar verständlich, doch nimmt das Meter tatsächlich eine verhältnismäßig unwichtige Rolle ein im Vergleich zu dem Können des Trainers und den bewährten Methoden, die er benutzt. Die frühe Form des Prozessings wurde ohne Meter ausgeführt (da es diese Eigenentwicklung für diesen Zweck noch nicht gab) und einige Dinge im Prozessing werden auch heute noch ohne Meter gemacht. Das Meter ist einfach ein zusätzliches Instru­ment, das dem Trainer die Möglichkeit gibt, zu überprüfen, ob die Prozessingsitzung richtig verläuft – eine Art Kompass für die Sitzung.

Vor der ersten Sitzung wird einem Klient immer die Möglichkeit gegeben, sich das Meter genau anzuschauen, wie es funktioniert und was es alles kann. Dabei wird ihm auch gezeigt, dass das Meter auf etwas reagiert, das sich unterhalb des normalen Bewusstseins des Preclears befindet.

Der Umstand, dass der Klient immer die Wahl hat, seine Gedanken mitzuteilen oder nicht, ist die beste Rückversicherung, die man einem potentiellen Klienten geben kann. Denn niemand kann ohne seine bereitwillige Zusammenarbeit beraten werden.

Vom Wesen des Verstandes

Der Trainer führt den Preclear und lässt ihn dabei tatsächlich in die tieferen Schichten seines Verstandes schauen und Begebenheiten untersuchen, die unangenehm oder sogar schmerzhaft waren.

Dies setzt voraus, dass die Kommunikationsebene und die Verständigungsebene zwischen dem Klient und dem Trainer sehr hoch sind. Nur wenn dieses hohe Niveau an Kommunikation vorhanden ist, wird es dem Klient möglich sein, sich die tieferen Schlupfwinkel seines Verstandes zu betrachten.

Wir wollen uns hier mal ein Bild von unserem Verstand konstruieren, wie er funktionieren mag. Stellen Sie sich vor, wir betrachten die obere Ebene des Verstandes als etwas, das Informationen aufnimmt oder Fertigkeiten, die wir zum täglichen Leben brauchen. So wären Sie wahrscheinlich in der Lage, mir einige der wichtigsten Themen zu nennen, über die in den Nachrichten von heute oder gestern gesprochen wurde. Aber ein Jahr später würden Sie bestimmt Schwierigkeiten haben, sich daran zu erinnern, was heute in den Nachrichten war.

Diese obere Ebene des Verstandes, so könnte man sagen, ist eine Art Fassungsbereich für Informationen, die wir gegenwärtig verwenden. Wir halten sie nicht nur dort, wir arbeiten mit ihnen. Wir analysieren sie, rechnen mit ihnen und überprüfen sie, um sie wenn nötig zu ersetzen. Dies ist also der „Werkstattbereich“ des Verstandes, durch den wir wissen, was los ist Wir können ihn den „analytischen Verstand“ nennen, da er analytisches Geschick benutzt, um für uns zu arbeiten.

Der analytische Verstand, den wir alle sehr gut kennen, könnte als tägliches Wunder bezeichnet werden. Da wir ihn jeden Tag benutzen, betrachten wir ihn als selbstverständlich. Er ist ständig bei uns um zu analysieren, zu vergleichen, zu berechnen, uns zu erinnern und Dinge einzuschätzen. Er tut all die Dinge – und mehr – die wir von einem sehr leistungsfähigen Computer erwarten.

Der analytische Verstand kann normalerweise Dinge, die er gerade erst aufgenommen hat, sehr schnell zurückrufen. Deshalb überarbeiten wir alles noch einmal vor einer Prüfung. Ein gesunder, junger Verstand besitzt ein ziemlich großes Auffassungsvermögen. Dieses Aufnahmevermögen ist jedoch nicht unbegrenzt, und bestimmte Dinge sind nicht immer gleich verfügbar. Im Allgemeinen ist es umso schwieriger, sich an Dinge zu erinnern, je länger sie zurückliegen.

Als Kind wird uns gesagt, dass der Verstand nie etwas vergisst. Wenn wir älter werden, fangen wir an, dies zu bezweifeln, nachdem es immer schwieriger geworden ist, sich an Dinge zu erinnern. Die Möglichkeit scheint groß zu sein, dass der analytische Verstand beschließt, dass manche Dinge weniger wichtig sind und sie deshalb auf tiefere Gedächtnisebenen zur Lagerung geschickt werden. Diese Erinnerungen können wieder aus den „Archiven“ zurück gewonnen werden, aber es dauert etwas länger.

Die normale Grundlage, auf der der analytische Verstand entscheidet, ob etwas mehr oder weniger wichtig ist, betrifft die Häufig­keit der Benutzung. Wenn Sie eine Fertigkeit haben oder eine Telefonnummer, die Sie schon lange nicht mehr benutzt haben, wird sie wahrscheinlich abgelegt worden sein. Die Information steht zwar immer noch zur Verfügung, aber es wird mehr Zeit in Anspruch nehmen, sie zu finden.

Haben Sie schon einmal folgende Erfahrungen gemacht? Sie versuchen sich an etwas zu erinnern, aber es gelingt Ihnen nicht. Dann aber, nach einigen Minuten oder sogar Stunden später, fällt es Ihnen wieder ein. Man könnte sagen, dass der analytische Verstand diese Zeitspanne benötigte, um die gewünschte Information wieder aus den Archiven hervorzuholen.

Einige der früheren Prozessingssitzungen beinhalten deshalb oft eine Reihe von Übungen, die die Fähigkeit des Preclears, sich an Dinge zu erinnern, entwickeln und verbessern. Der Klient fängt vielleicht langsam an, wird dann aber stufenweise schneller und schneller in seinem Erinnerungsvermögen. Das ist eine Gewandtheit, die nicht nur im Prozessing ihren Platz hat – der Klient kann sie außerhalb des Prozessingraumes mit nach Hause nehmen ins tägliche Leben!

Der analytische Verstand ist aber leider noch nicht die ganze Geschichte. Es gibt noch einen anderen Teil des Verstandes, der der reaktive Verstand genannt wird. Beide, der analytische Verstand und der reaktive Verstand, sind Teile des gleichen Verstandes. Der Unterschied besteht darin, wie sie auf äußere Reize reagieren. Der analytische Verstand analysiert Vorkommnisse, Situationen und Probleme. Er vergleicht sie mit anderen Situationen, die er als ähnlich oder sachdienlich einstuft – mit anderen Worten, mit früheren Erfahrungen. Er zieht Ähnlichkeiten und Unterschiede in Betracht und entscheidet dann, was getan werden muss.

Dieser Vorgang kann schnell oder langsam vor sich gehen, entsprechend der Menge an Erfahrung, die dieser Verstand auf diesem bestimmten Gebiet hat. Für ein Schachproblem z.B. benötigt er vielleicht nur ein paar Sekunden zur Entscheidung, aber ein unerfahrener Spieler kann Stunden brauchen, um es auszuarbeiten.

Der reaktive Verstand reagiert, deshalb sein Name. Er wird nicht von uns bewusst zur Lösung eines Problems eingesetzt – sondern er reagiert auf äußere Umstände und Begebenheiten.

Der reaktive Verstand ist ein Reiz-Reaktions-Mechanismus.

Der reaktive Verstand reagiert unverzüglich – blitzschnell. Wenn z.B. jemand seine Hand auf eine heiße Herdplatte legt, wie lange braucht er dann, bis er sich entschließt, seine Hand zurückzuziehen?

Wenn fürchtet sich jemand vor einem bestimmten Insekt fürchtet, wie schnell fürchtet er sich? Gibt es ein lautes Geräusch in Ihrer Nähe, wie lange brauchen Sie dann, bis Sie sich die Ohren zuhalten?

All das kann man als Beispiel des Funktionierens des reaktiven Verstandes betrachten. Er ist der Verstand der körperlichen Reaktion und der Emotionen. Sein Einsatz ist unverzüglich. Das ist der Teil des Verstandes, der „reagiert“. Das ist der Teil des Verstandes, der uns in primitiven Zeiten einmal half, zu überleben. Er hat uns ermöglicht, schnell zu reagieren, wenn Gefahr drohte. Er ist immer noch in Situationen zu gebrauchen, in denen wir unsere Hand von einer heißen Platte wegziehen müssen oder um schnell aus dem Weg zu springen, wenn uns etwas auf den Kopf zu fallen droht. Aber wenn sich dieser reaktive Verstand in unsere Denk- und Erinnerungsprozesse einmischt, dann ist sein Wert ungleich geringer und praktisch immer schädlich.

Es ist bemerkenswert, dass verschiedene Menschen verschiedenartig auf eine gleiche Situation reagieren. Mit einer ernsthaften Krise konfrontiert, wird die eine Person die Situation gelassen überprüfen und sich einen Plan zurechtlegen, um mit der Lage fertigzuwerden. Eine andere Person reagiert vielleicht auf die gleiche Situation mit blinder Panik oder schlägt eine verrückte, unvernünftige Lösung vor. Diese zwei gegensätzlichen Reaktionen zeigen den Unterschied zwischen analytischem und reaktivem Verhalten.

Wann können wir diese unterschiedliche Art von Verhalten beobachten? Am ehesten kann man Personen mit reaktivem Verhalten beobachten, wenn sie sich in einer gefährlichen Situation glauben. Die Gefahr kann dabei echt sein oder eingebildet. Es kann ein harmloses kleines Tier sein, wie eine kleine Maus oder eine Spinne oder ein Geräusch wie das Kratzen auf Metall.

Die hauptsächlichen Elemente, die im Prozessing behandelt werden, liegen im reaktiven Verstand. Man stößt aber erst auf sie, wenn man sich durch den analytischen Verstand vorgearbeitet hat. Aus diesem Grund muss der analytische Verstand oft zuerst etwas trainiert wer­den, bevor er in der Lage ist, den reaktiven Verstand und seinen Inhalt zu konfrontieren.

Der reaktive Verstand

Wir können den menschlichen Verstand nicht sehen. Das Gehirn können wir uns wohl anschauen, aber die paar Pfund charakterloser, grauer Masse offenbaren wenig über das bewegliche Wunder, mit dem wir an jedem Tag unseres Lebens arbeiten und leben.

Über den menschlichen Verstand können wir nur wirklich etwas herausfinden, wenn wir uns anschauen, was er tut und wie er uns zu einem bestimmten Verhalten bewegt. Dann können wir wenigstens bestimmen, was der Verstand tut, auch wenn wir noch nicht sehr viel darüber wissen, wie er arbeitet und warum er so arbeitet!

Nur wenige Menschen werden heutzutage widersprechen, wenn wir behaupten, dass unsere Körper von den gleichen Familien ab­stammen wie die Tiere auf diesem Planeten. Die Säugetierklasse, zu der wir offensichtlich gehören, ist zum Beispiel ebenfalls warmblü­tig, hat ein Rückgrat sowie Haare, und füttert ihre Jungen mit Milch von der Mutterbrust.

Und so wie wir auch ein ähnliches Blut- und Verdauungssystem wie die Tiere haben, besitzen wir auch einen ähnlichen Verstand.

Menschen haben jedoch noch etwas Zusätzliches. Wenn auch die meisten Affen sehr liebenswert sind, so gibt es doch einen riesigen Unterschied, auch selbst zwischen dem ungebildetsten Menschen und einem Affen. Nichtsdestoweniger, ein Teil ihres Verstandes, genau wie ihre Muskeln oder Lungen, hat starke Ähnlichkeit mit dem menschlichen Verstand und weist uns darauf hin, dass sie die gleiche Herkunft haben.

Wir haben den Verstand zu Untersuchungszwecken in den analytischen Verstand und den reaktiven Verstand eingeteilt. Lassen Sie uns für den Moment sagen, dass der reaktive Verstand unser Tierverstand ist und der analytische Verstand dieses zusätzliche Vermögen darstellt, das den Menschen vom Tier unterscheidet.

Also, was sind die Qualitäten, die den reaktiven Verstand einem Tier gleich macht? Der Tierverstand denkt nicht, er reagiert. Er ist es, der das Tier befähigt zu überleben, zu jagen, zu töten und den Gefahren in einer wetteifernden Welt zu entgehen! In diesen Situationen gibt es oft keine Zeit, das Pro und Kontra einer Sache abzuwägen, und wer zögert, ist verloren.

Dieser Tier- oder reaktive Verstand ist sehr eng in das physiologische System eingebunden. Dadurch kann er die Drüsen und das Verdauungssystem ohne Berücksichtigung des analytischen Verstandes aktivieren. Er kann sehr, sehr schnelle Entscheidungen treffen. Zusätzlich ist er in der Lage, gelegentlich einen durchschnittlichen, menschlichen Körper mit einer Schnelligkeit außer Gefahr zu bringen, wofür ihn auch ein olympischer Athlet beneiden würde.

Der Grund, warum der reaktive Verstand so schnell arbeitet, scheint darin zu liegen, dass er Dinge zuordnet, ohne eine Analyse zu machen (was wir vielleicht als Denken bezeichnen könnten). Es ist diese Analyse oder das Denken, das eine messbare Zeitspanne beansprucht. Wir können verstehen, dass es sehr wünschenswert war, in einer Dschungelexistenz einen reaktiven Verstand zu haben, der uns veranlasste, schnell der Gefahr aus dem Weg zu springen, die von oben oder von hinten kam. Der heutige Lebensstil erfordert diese Fähigkeit weniger, sondern eher die messbare, rationale Analyse und Reaktion. Es kann durchaus hilfreich sein, vom Straßenrand zurückzuspringen oder schnell zu Winzern, um unsere Augen vor einem fliegenden Insekt zu schützen. Leider macht aber der reaktive Verstand hier nicht halt. Wir haben wahrscheinlich alle persönliche Erfahrungen von unfreiwilligen Körperreaktionen wie erröten oder unfreiwillige Muskelbewegungen, die mit „kämpfen oder fliehen“ zu tun haben. Wir können auch feststellen, dass sich der reaktive Verstand in Entscheidungen einmischt, z.B. über unsere Diät, über häusliche Angelegenheiten und sogar darüber, wie wir uns bei der Arbeit verhalten. Kurz, er ist zu einer richtigen Plage geworden! Ein sehr potenter Auslöser für den reaktiven Verstand ist Geruch. Man kann die Schnelligkeit und den Einfluss des reaktiven Verstan­des in Bezug auf das Wahrnehmen eines Geruches, der unangenehme Assoziationen im reaktiven Verstand auslöst, deutlich sehen. Die Schnelligkeit des Rückrufes eines assoziierten geistigen Bildes zu einem bekannten Geruch, ist bemerkenswert. Der Geruch ist wahrscheinlich der schnellste unserer Sinne. Das Aufnehmen und Identifizieren von Düften ist sehr wichtig für ein Tier. Manche Tiere sind fast blind, verlassen sich aber in besonderem Masse auf das Aufnehmen der Witterung von Futter und oder von Gefahr, um zu überle­ben. In diesem Zusammenhang kann man verstehen, dass der Geruch in sehr enger Verbindung mit dem reaktiven Verstand steht.

Welche Auswirkungen hat der reaktive Verstand?

Beispiel 1

Wir schauen uns jetzt ein Beispiel an, wie unser reaktiver Verstand in unserem täglichen Leben reagieren kann. Nehmen wir einmal an, Sie besuchen jemanden im Krankenhaus und fangen einen Hauch von Desinfektionsmittel auf, wenn Sie am Operationssaal vorbeigehen. Falls Sie schon einige Operationen hinter sich haben, auch wenn es bereits einige Zeit zurückliegt, werden Sie so schnell wie möglich vorüber eilen. Operationen sind Anlässe, die ganz sicher den reaktiven Verstand aktivieren, da der analytische Verstand durch das Betäubungsmittel abgeschaltet war – aber der reaktive Verstand durchdringt das Nerven- und Zellensystem des Körpers und Speichen jeglichen Schmerz, den der Organismus erlebt, auch wenn nachher keine analytische und bewusste Erinnerung an dieses Erlebnis vorhanden ist. In dem obigen Beispiel erkennt der reaktive Verstand den Geruch des Desinfektionsmittels und erteilt sofort eine energische Instruktion, sich davon zu entfernen. Unter diesen Umständen wird man jedoch gewöhnlich die Verbindung zu der eigenen Operationsgeschichte auf einer analytisch-bewussten Stufe erkennen, und deshalb die Gründe für sein körperliches Unbehagen verstehen und es kontrollieren können. Es ist nicht nur die Tatsache der analytischen Bewusstlosigkeit, die den reaktiven Verstand veranlasst, Informationen aufzuzeichnen. Es muss auch Schmerz vorhanden sein. Jemand kann „ohnmächtig“ werden, während er in einem Lehnstuhl sitzt oder im Bett liegt. Das allein schadet nicht viel, wenn während dieser Zeit nichts passiert, denn dann gibt es auch nichts besonderes, was der reaktive Verstand aufzeichnen und später mit dieser Erfahrung assoziieren könnte. Wenn jedoch Schmerz und Bewusstlosigkeit zusammenkommen, wird daraus eine sehr wirkungsvolle Erinnerung für den reaktiven Verstand. Der analytische Verstand hat keine Aufzeichnung davon, um den Instruktionen des reaktiven Verstandes entgegenzuwirken – und so hat der reaktive Verstand „freie Hand“, aktiv zu werden, wenn er später meint, dass eine ähnliche Bedrohung im Anmarsch sei.

Beispiel 2:

Schauen wir uns jetzt ein Beispiel an, bei dem das Bindeglied schwieriger zu erkennen, aber die Auswirkung umso gefährlicher ist. Nehmen wir einmal an, jemand wird von einem Auto angefahren. Es ist sehr wahrscheinlich, dass das Opfer schon ohnmächtig ist, wenn es auf der Straße liegt. Von diesem Zeitpunkt an, bis es auf die Trage gehoben wird, befindet sich seine Nase nur ein paar Zentimeter von der Straße entfernt. Was ist der stärkste Geruch, den die Person da wahrnimmt? Es ist der von Asphalt und Teer auf der Fahrbahnoberfläche.

Nehmen wir nun an, unser Unfallopfer erreicht das Bewusstsein ein paar Stunden später wieder und wird nach ein paar Tagen aus dem Krankenhaus entlassen, um verhältnismäßig schnell ins normale Leben zurückzukehren. Es gibt jedoch eine Veränderung. Jedes mal, wenn die Person den Geruch von Teer in die Nase bekommt, fühlt sie sich unbehaglich und ängstlich. Das Problem dabei ist, dass sie keine Ahnung hat, dass dieses Unbehagen etwas mit dem Geruch von Teer zu tun hat. Sie besitzt keine bewusste Erinnerung, dass sie während des Unfalls Teer gerochen hat. Der reaktive Verstand sagt aber „Ich kenne diesen Geruch! Es ist der gleiche wie der in dem Straßenunfall. Vorsicht – hier muss es eine ähnliche Gefahr geben“.

Im obigen Beispiel wird gezeigt, dass der reaktive Verstand die Ereignisse assoziiert, die durch die Sinne hereinkommen, Geruch, Geräusch, Sicht, Berührung. Er gibt dann eine Warnung aus, um den Kontakt mit dem bestimmten Sinnesreiz zu reduzieren oder zu elimi­nieren. Wenn jedoch die Person nicht auf diese Warnungen reagiert, oder reagieren kann, verstärkt der reaktive Verstand seine Warnun­gen mit körperlichen Spannungen.

Um unser Beispiel noch auszumalen, nehmen wir einmal an, dass die Person, die den Unfall hatte, an einem heißen Tag in einen Verkehrsstau gerät. Der Stau, nehmen wir an, ist durch Straßenarbeiten verursacht worden, bei denen ein starker Geruch von Teer entsteht. Der Person ist es unmöglich, einfach nur das Lüftungssystem im Auto auszuschalten und weiterzufahren. Das Resultat ist möglicherweise, dass die Person sich schlecht fühlt und Kopfschmerzen bekommt – die den ganzen Tag andauern können. Das Bedenkenswerte an dieser Sache ist, dass die Person normalerweise nicht weiß, wodurch die Kopfschmerzen ausgelöst wurden. Sie wird stattdessen andere Gründe finden, denn der analytische Verstand ist sehr erfinderisch im Finden von glaubhaften Verbindungen und im Rechtfertigen von Ereignissen und eigenen Verhaltensweisen.

Beispiel 3:

Lassen Sie uns noch ein weiteres Beispiel finden, bei dem wir den reaktiven Verstand bei der Arbeit identifizieren können. Gesetzt den Fall, jemandem widerfährt das Missgeschick, mit einem Aufzug steckenzubleiben. Auch wenn es nur ein paar Minuten dauern würde, so würden doch Angstgefühle und leichte Panik geweckt. Der reaktive Verstand würde alarmiert werden und das Vertrauen in Aufzüge würde reduziert. Bedenken wir, dass der reaktive Verstand nie schläft und Informationen zu jeder Zeit aufzeichnet. Der simple, assoziierende reaktive Verstand wird in etwa sagen: „In Aufzüge zu gehen bedeutet, darin steckenzubleiben und nicht mehr herauszukommen“.

(Haben Sie übrigens schon gemerkt, wie schwierig es oft ist, mit ändern Leuten zusammen in einem Aufzug eine normale, ungezwungene Konversation zu führen? Offenbar erinnert das Fahren im Aufzug den reaktiven Verstand der meisten Leute an ein Ereignis von „Eingeschlossen sein“…)In diesem Falle jedoch war der analytische Verstand nicht ausgeschaltet, falls die Person nicht ohnmächtig oder durch Umfallen be­wusstlos geworden ist. Also werden wir einen Kampf zu erwarten haben zwischen dem analytischen und dem reaktiven Verstand. Die Person selbst muss sich entscheiden, auf welche Seite sie hören will. Der reaktive Verstand wird sagen: „Aufzüge sind gefährlich – es ist besser die Treppe zu benutzen.“ Der analytische Verstand sagt: „Ja, das war ein Missgeschick, aber die Chancen einer Wiederholung sind sehr gering. Außerdem sind es sechs Stockwerke nach oben!“ Meistens gewinnt der analytische Verstand, aber es kann einige Zeit dauern, bis sich der reaktive Verstand wieder sicher ist, dass Aufzüge nicht gefährlich sind. In manchen bedauernswerten Fällen passiert das jedoch nie, und die Person wird nie mehr in der Lage sein, in Aufzügen zu fahren.

Die Hauptdruckmittel, die dem reaktiven Verstand die Stärke geben, um seinen Willen durchzusetzen, sind Schmerz und Bewusstlosigkeit. Schmerz und Bewusstlosigkeit sind Schritte auf der nach unten gerichteten Spirale hin zum Tod. Der Tod ist das endgültige Versagen des Organismus, zu überleben. Auf einer niedrigeren Stufe genügt schon ein klein wenig Schmerz durch Verlust oder Verletzung, um den reaktiven Verstand in Aufregung zu versetzen und seine Aufmerksamkeit zu erhöhen. Deshalb kann das Steckenbleiben im Aufzug oder ein Beinahe Unfall schon eine starke körperliche Reaktion hervorbringen. Der medizinische Ausdruck, um diesen Zustand zu beschreiben, ist „Schock“. Die Schwierigkeit ist, dass der reaktive Verstand an seiner Erfahrung mit allen Einzelheiten festhält und bereit ist, eine dringende Warnung auszugeben, sollten die Umstände nach einer Wiederholung aussehen. Egal was nachher auch passieren wird, um die Erfahrung vernünftig erklären zu können, der reaktive Verstand wird sie nie vergessen.

Beispiel 4:

Lassen Sie uns ein Beispiel hernehmen, bei dem jemand ein Kind auf einen Spielplatz bringt und das Kind erleidet dort einen ernsten Unfall. Nehmen wir an, das Kind rutscht und fällt irgendwo herunter und verletzt sich an einem Arm. Die Person wird durch dieses Erleb­nis emotionell bestürzt sein, auch wenn sie nicht verletzt wurde, und in einen leichten Schockzustand kommen, der durch die Besorgnis und Beklemmung verursacht wurde. Dies sind nur andere Ausdrücke für Angst. Diese beunruhigenden Nachwirkungen werden mit der Zeit langsam verschwinden. Aber um es noch einmal zu betonen, der reaktive Verstand wird alle Informationen in Verbindung mit diesem Erlebnis festhalten und bei jeder möglichen Wiederholung eines solchen Ereignisses sehr argwöhnisch reagieren.

Sollten die Umstände eine Wiederholung ahnen lassen, wie vielleicht die Ankündigung eines Spielplatzbesuches mit einem anderen Kind, so wird der reaktive Verstand körperlichen Druck auf den Organismus ausüben, um diesen Besuch zu verhindern. Zumindest wird sich eine allgemeine Unruhe im Zusammenhang mit diesem Spielplatz breit machen, und eine spezielle Unruhe beim Beobachten der Kinder, wie sie auf Gegenstände klettern, von denen sie herunter fallen könnten. Ironischerweise kann das Kind sehr wohl schneller genesen und mit weniger Langzeitschaden davonkommen, als der begleitende Erwachsene.

Aus dem obigen Beispiel können Sie vielleicht einige typische Symptome von Angstzuständen erkennen, die zumindest unangenehme Assoziationen mit Plätzen, Menschen, Dingen und Situationen zum Ausdruck bringen. (Denken Sie z.B. auch an das Schwindelgefühl, das einige Leute befällt, wenn ihr reaktiver Verstand die Möglichkeit sieht, dass der Körper irgendwo – z.B. über einen Brückenrand – in die Tiefe fallen könnte …)

Mehr über reaktives Verhalten

Nicht alle Schlussfolgerungen und Assoziationen, die der reaktive Verstand hervorbringt, sind so dramatisch wie in den Beispielen, die wir uns im letzten Kapitel angeschaut haben. Wann immer jedoch der reaktive Verstand aufmerksam und aktiv wird, beginnt er zu beobachten, aufzuzeichnen und seine eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen. Also, wann kann er aufmerksam und aktiv werden?

Nicht nur, wenn ein Mensch Schmerzen hat, bewusstlos ist oder emotionell unter Druck steht. Er wird auch lebhaft, wenn immer er fühlt, dass der Organismus (Körper und Verstand) geschwächt ist oder sich in einer Art Gefahr befindet. Das kann geschehen, wenn der reaktive Verstand irgendeine Bedrohung für das Überleben in der Umgebung spürt. Das Problem dabei ist, dass der reaktive Verstand seltsame Vorstellungen von dem hat, was eine Bedrohung für das Überleben des Organismus darstellt

Es ist so, als hätte man einen Leibwächter, um beschützt zu werden, nur ist dieser nicht sehr intelligent. Er wird aufmerksam, wenn er denkt, dass Gefahr droht. Das kann sein, weil sie wirklich von jemandem bedroht werden, aber er kann auch aktiviert werden durch jemand, der sie nur verärgert.

Beispiel 5:

Wenn Sie sehr beschäftigt sind mit vielen Dingen, die erledigt werden müssen, so können Sie sich belästigt fühlen und in Gefahr kommen, überwältigt zu werden. An diesem Punkt wird der reaktive Verstand wahrscheinlich anfangen, aktiv zu werden. Er sieht eine Menge von Dingen auf einmal geschehen, die Ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen, und fasst das als eine Bedrohung für Dir Überleben auf.

Wenn eine Person anfängt, sich überwältigt zu fühlen, weil sie zu viel zu tun hat, überkommt sie häufig ein Gefühl der Verwirrung, bei dem es plötzlich schwierig erscheint, auch einfache Dinge auszuführen. Dies ist potentiell eine nach unten gerichtete Spirale (die Situation wird immer „enger“- spitzt sich zu). Der reaktive Verstand wird sofort wachgerufen, denn wenn diese Situation weiter bestehen bleibt, denkt er, das Überleben des Organismus sei in Frage gestellt

Wenn Sie den Drang spüren, mit der vierzehnten Person, die Sie in den letzten zehn Minuten um etwas bat, mürrisch oder schnippisch zu werden, dann ist das der reaktive Verstand, der Sie dazu veranlasst Wie viel Aufmerksamkeit Sie ihm schenken, hängt von Ihrem allgemeinen Zustand ab. Sollten Sie müde oder irritiert sein, sind Sie eher geneigt, dem Drang, ärgerlich zu werden, nachzugeben, als wenn Sie wach und ausgeruht sind.

Wir sollten nicht vergessen, dass der reaktive Verstand ein vergleichsweise primitiver Verstand ist, dessen Aufgabe daraus besteht, den Organismus vor Gefahren zu schützen, und nicht die, ausgeglichene Entscheidungen zu treffen. Seine Schlussfolgerungen und Meinungen, die er zu bilden im Stande ist, sind nicht von der besten Sorte.

Beispiel 6:

Ein verheiratetes Paar besucht sein Lieblingsrestaurant und während des Essens haben sie einen großen Krach, der ihr Verhältnis zu bedrohen scheint. Der reaktive Verstand wird wahrscheinlich alarmiert, denn er fürchtet das voraussichtliche Ende der Beziehung und sieht es als eine Bedrohung für das Überleben des Organismus an. Nachdem dem Krach wird voraussichtlich mindestens einer der beiden nicht mehr geneigt sein, dieses Restaurant zu besuchen. Das ist typisch dafür, wie der reaktive Verstand arbeitet. Er glaubt, dass das Restaurant ein gefährlicher Ort ist, da dort Gefahren in Bezug auf die Stabilität der Ehe heraufbeschworen wurden, und dass dieser Ort darum gemieden werden muss. Der analytische Verstand beginnt nun gezwungenermaßen dieses Gefühl zu rechtfertigen, indem er es mit scheinbar vernünftigen Gründen zu erklären versucht. Der eine oder andere Ehepartner entscheidet vielleicht, dass sich dort die Qualität des Service verschlechtert habe, oder dass es interessanter wäre, einmal ein anderes Restaurant auszuprobieren – kurz: das Restaurant, in dem sie den Streit hatten, wird ihnen plötzlich nicht mehr so „sympathisch“ sein.

Die Gewinne stabil machen

Wir alle möchten ein besseres Leben leben und haben meist genug Wissen, um sehen zu können, wie unser Leben positiv zu verändern wäre. Es scheint jedoch Barrieren zu geben, die uns daran hindern, diese Veränderungen vorzunehmen. Wir stellen nun die Behauptung auf, dass die Unfähigkeit, die von uns gewünschten Veränderungen herbeizuführen, hauptsächlich dem versteckten Einfluss unseres reaktiven Verstandes zuzuschreiben ist. Die Funktion des Trainers ist es, den Einfluss des reaktiven Verstandes zu reduzieren, um der Person zu ermöglichen, mehr Kontrolle über Ihr Leben zu haben.

Jeder, der mit Prozessing Erfahrungen gemacht hat, weiß, dass es gewöhnlich ein Gefühl der Befreiung und einen erneuten Optimismus für die Zukunft mit sich bringt In den Anfangsstadien des Prozessings ist dieses Gefühl von Erleichterung und Optimismus leider oft nur vorübergehend. Der kombinierte Effekt des reaktiven Verstandes und die Einwirkung des täglichen Lebens genügen meist, um ein Einhaken des reaktiven Verstandes nach ein paar Tagen möglich zu machen.

Die Trainingskurse wurden entwickelt, um zu verhindern, dass man wieder in die Situationen gerät, bei denen man sich überwältigt fühlt. Eine Person kann aus einer Prozesssingsitzung herauskommen, ins tägliche Leben zurückkehren und das Gefühl bekommen, dass sie mit manchen Aspekten von Arbeit, persönlichen Beziehungen oder Geldproblemen trotzdem noch nicht fertig wird.

Hier hilft ein Trainingskurs. Ihr Trainer wird Ihnen zur gegebenen Zeit sagen, welcher Kurs in Ihrem speziellen Fall sinnvoll wäre, um bezüglich einer bestimmten Sache weiterzukommen.

Später im Prozessing wird dieses Gefühl von Freiheit und Optimismus länger und länger anhalten – und stabil werden. Dies behandeln wir im nächsten und letzten Kapitel dieses Büchleins.

Der Weg zum Geklärten

Irgendwann, nach einigen Stunden Prozessing, werden große Teile des reaktiven Verstandes offengelegt und ihr Inhalt in den analytischen Datenbanken neu eingeordnet worden sein.

Der reaktive Verstand ist viel kleiner und weniger dominant geworden für den Preclear, und zweitens hat der analytische Verstand viel Kraft wieder gewonnen aus der Umwandlung von Material und Aufmerksamkeit, die vorher im reaktiven Verstand eingeschlossen war.

An diesem Punkt wird im darauffolgenden Prozessing die Balance dramatisch umschwenken. Der Rest des reaktiven Verstandes bricht plötzlich zusammen mit seiner noch vorhandenen Macht, den Klienten zu beeinflussen. Es scheint, als hätte er an diesem Punkt die Fähigkeit erworben, seinen reaktiven Verstand aufzuräumen; um die Prozesssing-Terminologie zu verwenden, er ist  „geklärt“ worden!

Diese erhebliche Veränderung, die wir den „Geklärten“ nennen, wurde an Tausenden von Menschen beobachtet, die für einige Zeit prozessiert worden waren. Wie lange es dauert, um diesen äußerst wichtigen Zustand zu erreichen, ist von Fall zu Fall unterschiedlich.

Es kann festgestellt werden, das dass Individuen, die geklärt sind ist und keinen reaktiven Verstand mehr hat, doch die Fähigkeit besitzt, einen neuen reaktiven Verstand zu kreieren. Sie kann Operationen ausgesetzt sein, Unfälle und emotionelle Krisen haben. Der Unterschied ist, dass sie jetzt viel mehr Wissen über die Funktion des reaktiven Verstandes hat und Vorsichtsmaßnahmen treffen kann, um sicher zu gehen, dass keine reaktiven Schlussfolgerungen aus verstimmenden Geschehnissen zurückbleiben. Sie weiß auch, wo sie Hilfe erfahren kann mit ein bisschen Prozessing, wenn sie es braucht!

Prozessing kann in der ganzen Welt erhalten werden, unter einer Vielfalt von Bezeichnungen.

Wenn Sie sich dazu entschließen sollten, Prozessing selber auszuprobieren, beginnen Sie ein Abenteuer – Ihr ganz persönliches Abenteuer.